Die Pflichtangabe, die Spam einlädt — und was wirklich hilft

Wer eine Website betreibt, muss erreichbar sein. Das Gesetz verlangt im Impressum eine Anschrift und eine E-Mail-Adresse, unter der man tatsächlich antwortet. Das ist richtig so: Wer geschäftlich auftritt, soll ansprechbar sein. Nur ist dieselbe Angabe auch die bequemste Quelle für unerwünschte Post, die es im Netz gibt.

Das ist kein Nebeneffekt, den man wegkonfigurieren könnte. Es ist die unmittelbare Folge einer Pflicht, die genau das verlangt, was man aus Selbstschutz nicht täte: eine geschäftliche Adresse offen hinschreiben.

Warum die bekannten Tricks nicht mehr genügen

Gegen automatische Sammler gibt es seit Jahren Gegenmittel. Die Adresse rückwärts speichern und per Gestaltung wieder umdrehen. Das @ durch ein Bild ersetzen. Die Adresse erst per Skript zusammensetzen. All das wirkt — gegen Programme, die den Quelltext durchsuchen.

Nur wird längst nicht mehr nur automatisch gesammelt. Es gibt Anbieter, die Adresslisten von Hand zusammenstellen lassen: günstige Arbeitskraft, ein Browser, ein paar hundert Impressen am Tag. Ein Mensch, der eine Seite liest, sieht die Adresse so, wie sie gemeint ist — gleichgültig, wie sie im Quelltext steht.

Damit ist die Frage falsch gestellt. Sie lautet nicht mehr „Wie verhindere ich, dass meine Adresse eingesammelt wird?“ — das geht nicht, solange die Pflicht besteht. Sie lautet: „Wie sorge ich dafür, dass es mich nicht aufhält?“

Melden führt selten weiter

Der naheliegende Weg — anzeigen, melden, Bußgeld — führt in der Praxis selten irgendwohin. Die Absender sitzen häufig außerhalb der Reichweite europäischer Behörden, Zuständigkeiten sind verteilt, und die Behörden haben Dringenderes. Wer darauf wartet, wartet lange und hat in der Zwischenzeit dasselbe Postfach.

Das ist unbefriedigend, aber es ist die Lage. Man kann sich daran abarbeiten oder das Problem so umbauen, dass es einen nicht mehr aufhält.

Postfach-Architektur: sortieren statt bekämpfen

Der Gedanke ist einfach. Nicht jede Nachricht ist gleich wichtig, also darf nicht jede Nachricht durch dieselbe Tür kommen. Statt einer Adresse für alles bekommt jeder Zweck seine eigene — und damit ist am Empfänger schon zu erkennen, worum es geht, bevor man die Nachricht öffnet.

Eine Aufteilung, die sich bewährt hat:

Der Gewinn liegt nicht darin, dass weniger ankommt — es kommt genauso viel an. Der Gewinn liegt darin, dass man in Sekunden sieht, was man übergehen kann, und dass eine Kundenanfrage nicht mehr zwischen dreißig Angeboten für Suchmaschinenoptimierung untergeht.

Die Adresse aus dem Impressum bleibt dabei voll funktionsfähig. Sie muss es sein, das ist der Sinn der Pflicht. Wer dort schreibt, erreicht mich — es dauert nur gelegentlich einen Tag länger, weil ich dieses Postfach in Ruhe durchsehe statt nebenbei.

Was das mit 4digEt zu tun hat

Wir haben diese Aufteilung nicht als Ratschlag in eine Anleitung geschrieben, sondern in das System eingebaut. Wer mit 4digEt arbeitet, bekommt sie als Voreinstellung, nicht als Hausaufgabe:

Der Unterschied zum üblichen Vorgehen ist klein und wirkt trotzdem: Man muss die Trennung nicht selbst erfinden und auch nicht diszipliniert durchhalten — sie ergibt sich daraus, wie die Seiten aufgebaut sind.

Was du heute tun kannst

Mehr ist es nicht. Es beseitigt das Problem nicht — das kann niemand, solange die Pflichtangabe besteht. Aber es nimmt ihm die Fähigkeit, den Tag zu bestimmen.